Eine Person sitzt an einem Tisch und hat vor sich ein Hologramm, in dessen Mitte AI steht. Die Person tippt mit dem Finger darauf.

1.10.2026

Gastbeitrag: Mensch und KI

Die Zukunft der Arbeit ist hybrid

Künstliche Intelligenz

Führung

KI-Transformation

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur, wie wir arbeiten, sondern zunehmend auch, wie Unternehmen organisiert werden. Mit Generative AI, Agentic AI und Physical AI entsteht eine neue Arbeitsteilung zwischen Menschen und intelligenten Systemen.

Damit wird KI-Transformation zur Managementaufgabe. Unternehmen müssen Rollen, Kompetenzen, Führung und Verantwortung neu gestalten. Die Organisation der Zukunft ist weder rein menschlich noch vollständig automatisiert. Sie ist hybrid.

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Von Generative AI zu Agentic und Physical AI

Generative AI hat KI zunächst als Assistenten in den Arbeitsalltag gebracht. Sie erstellt Inhalte, analysiert Daten, strukturiert Wissen und unterstützt Entscheidungen.

Mit Agentic AI verändert sich diese Rolle. KI-Agenten bearbeiten zunehmend eigenständig Aufgaben, nutzen unterschiedliche Werkzeuge, koordinieren Prozessschritte und führen innerhalb definierter Rahmenbedingungen Aktionen aus. Aus dem digitalen Assistenten wird ein aktiver Bestandteil der Wertschöpfung.

Physical AI überträgt diese Entwicklung auf die physische Arbeitswelt. Intelligente Roboter, autonome Fahrzeuge und Maschinen verbinden Wahrnehmung, Entscheidung und physische Aktion. Damit erreicht die KI-Transformation neben der Wissensarbeit zunehmend Produktion, Logistik, Mobilität und weitere operative Bereiche.

Die Organisation der Zukunft verbindet damit drei Formen der Intelligenz: menschliche Intelligenz, digitale KI und physische KI.

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Arbeit wird neu verteilt

Diese Entwicklung verändert weniger ganze Berufe auf einen Schlag als die Aufgaben, aus denen diese Berufe bestehen.

Ein Controller bleibt Controller. KI übernimmt jedoch zunehmend Datenaufbereitung, Standardanalysen und Abweichungserkennung. Der menschliche Schwerpunkt verschiebt sich auf Interpretation, Szenarien, Steuerungsimpulse und Managementberatung.

Auch der Softwareentwickler bleibt relevant. KI generiert zunehmend Code, unterstützt Tests, Dokumentation und Fehleranalyse. Gleichzeitig gewinnen Architektur, fachliches Verständnis, Integration, Qualitätssicherung und die Steuerung KI-gestützter Entwicklung an Bedeutung.

In der physischen Arbeitswelt entsteht eine vergleichbare Arbeitsteilung. Intelligente Maschinen übernehmen standardisierbare Tätigkeiten, während Menschen stärker steuern, überwachen, optimieren und komplexe Situationen bewältigen.

Nicht der Beruf wird zuerst automatisiert. Aufgaben werden neu zwischen Mensch, Agentic AI und Physical AI verteilt – und dadurch verändert sich der Beruf selbst.

Für Unternehmen hat das eine weitreichende Konsequenz: Starre Stellenbeschreibungen verlieren an Bedeutung. An ihre Stelle treten zunehmend dynamische Rollen-, Aufgaben- und Kompetenzmodelle.

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Führung wird zur Gestaltung hybrider Organisationen

Auch Führung verändert sich. Führungskräfte steuern künftig nicht mehr ausschließlich die Zusammenarbeit zwischen Menschen. Sie gestalten Systeme, in denen Menschen und KI gemeinsam Ergebnisse erzielen.

Damit verändern sich Führungsaufgaben. Ziele, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsspielräume müssen klar definiert sein. Mitarbeitende müssen wissen, welche Aufgaben sie an KI delegieren können, welche Ergebnisse überprüft werden müssen und wo menschliche Entscheidungen erforderlich bleiben.

Gleichzeitig verschiebt sich Führung von operativer Koordination stärker zu Orientierung, Befähigung und Verantwortung.

Je leistungsfähiger KI wird, desto wichtiger wird die Fähigkeit des Managements, Organisationen auf Ergebnisse statt auf Tätigkeiten auszurichten.

Auch AI Literacy wird damit zur Management- und Basiskompetenz. Dabei geht es um deutlich mehr als Prompting. Entscheidend ist die Fähigkeit, KI sinnvoll in Arbeit und Entscheidungen einzubinden, Ergebnisse kritisch zu bewerten und die Grenzen der Technologie zu verstehen.

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Sustainable AI als Managementprinzip

Die technologische Möglichkeit zur Automatisierung darf dabei nicht mit ihrem organisatorischen Nutzen verwechselt werden.

Sustainable AI verbindet die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenz mit ökologischer und sozialer Verantwortung. Für die Arbeitswelt bedeutet dies, KI nicht ausschließlich zur kurzfristigen Kostenreduktion einzusetzen, sondern Arbeit nachhaltig neu zu gestalten.

KI kann Routine reduzieren, Produktivität erhöhen, Wissen verfügbar machen und Menschen von repetitiven Tätigkeiten entlasten. Gleichzeitig müssen Qualifikation, Verantwortung, Datenschutz, Sicherheit, Transparenz und Ressourcenverbrauch berücksichtigt werden.

Der Maßstab erfolgreicher KI-Transformation ist deshalb nicht der maximale Automatisierungsgrad, sondern der nachhaltige Wertbeitrag für Unternehmen und Menschen.

Sustainable AI bedeutet in diesem Kontext auch, bewusst zu entscheiden, welche Aufgaben automatisiert werden, wo Mensch und KI zusammenarbeiten und wo menschliche Verantwortung erhalten bleiben muss.

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Die hybride Organisation als Zielbild

Unternehmen entwickeln sich damit zu hybriden sozio-technischen Systemen. Menschen, digitale KI-Agenten, Physical AI, Daten und automatisierte Prozesse erzeugen gemeinsam Wertschöpfung.

Das verändert nicht nur einzelne Arbeitsplätze. Es verändert Organisationsdesign, Führung, Kompetenzmanagement und Unternehmenskultur.

KI-Transformation ist deshalb kein isoliertes Technologieprojekt. Sie ist eine Transformation des gesamten Arbeitssystems.

Unternehmen, die lediglich neue KI-Tools bereitstellen, greifen zu kurz. Entscheidend ist, Arbeit systematisch neu zu gestalten: Aufgaben neu verteilen, Kompetenzen entwickeln, Verantwortung definieren und die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI organisatorisch verankern.

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Die Zukunft der Arbeit ist hybrid

Generative AI unterstützt Wissen und Kreativität. Agentic AI übernimmt und orchestriert digitale Aufgaben. Physical AI bringt künstliche Intelligenz in die physische Wertschöpfung. Menschen bringen Kontext, Kreativität, soziale Intelligenz, Urteilsvermögen und Verantwortung ein.

Sustainable AI bildet den Gestaltungsrahmen, der diese Fähigkeiten wirtschaftlich, ökologisch und sozial zusammenführt.

Die zentrale Zukunftskompetenz eines Unternehmens besteht deshalb nicht darin, möglichst viel Arbeit zu automatisieren. Sie besteht darin, menschliche und künstliche Intelligenz zu einem leistungsfähigen und nachhaltigen Arbeitssystem zu verbinden.

Die Zukunft der Arbeit ist hybrid. Ihre Gestaltung ist eine zentrale Führungsaufgabe.

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Zum Autor:

Dr. Marco Englert beschäftigt sich mit digitaler Unternehmensführung, künstlicher Intelligenz und nachhaltiger Unternehmenstransformation. Er ist Autor und Herausgeber der Fachbücher „Digitale Unternehmensführung“ und „Nachhaltiges Management“. Er begleitet Unternehmen, u.a. als Chief Digital Officer, bei der digitalen und nachhaltigen Transformation sowie bei der erfolgreichen Umsetzung von Sustainable AI und KI-Betriebssystemen.

Marco Englert

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